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Reisebericht 1
06.10.05 - Litomerice - Die Stadt Fulda ist mit der tschechischen Stadt Litomerice (Leitmeritz) verschwistert. Und nun gab es einen guten Grund, in die Partnerstadt zu fahren. Welcher das war und was die Fuldaer dort erlebten, beschreibt im folgenden Alois Hofmann. Der Künzeller gehört dem "Freundeskreis Fulda - Leitmeritz/Litomerice e.V." an und für "osthessen-news" freundlicherweise einen persönlichen Reisebericht geschrieben. Auch seine Fotos geben einen guten Eindruck von den Erlebnissen in der Partnerstadt wieder. Heute bringen wir hier den ersten Teil des Reiseberichtes von Alois Hofmann.
"Im Rahmen seiner Konzertreise in die Fuldaer Partnerstadt Leitmeritz/Litomerice in Tschechien vom 30.09 bis 04.10.2005 konzertierte der Polizeichor Fulda in der dortigen St. Stephans-Kathedrale. Aus Anlass der traditionellen Leitmeritzer Chortage fand am vergangenen Samstag im Leitmeritzer Dom ein beeindruckendes tschechisch-deutsches Gemeinschaftskonzert statt, an dem neben dem Männerchor aus Fulda der Gemischte Lehrerchor Leitmeritz und der gastgebende Frauenkammerchor „Cantica Bohemica“, ebenfalls Leitmeritz, teilnahmen.
Besonderen Begegnungscharakter erhielt der Konzertabend durch die Tatsache, dass an dem durch den Einheitsfeiertag verlängerten Wochenende mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger aus Fulda in der tschechischen Partnerstadt weilten: Außer dem Polizeichor mit Anhang hielt sich auch die gesamte CDU-Fraktion der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung zusammen mit Oberbürgermeister Möller und Bürgermeister Dr. Dippel in der nordböhmischen Bischofsstadt auf und nahm an dem Begegnungskonzert teil.
Den ersten Teil des Kirchenkonzertes bestritt der Gemischte Lehrerchor Leitmeritz unter der Leitung von Tomas Fiala mit geistlichen Werken von Händel, Hassler, Bortnianski, Franck, Gounod und Dawson. Als zweite Chorgruppe präsentierte sich der Leitmeritzer Frauenkammerchor „Cantica Bohemica“, der in der Vergangenheit mehrmals internationale Preise ersungen hat, vor zwei Jahren mit dem Fuldaer Domchor in Leitmeritz konzertierte und im vergangenen Jahr auch anlässlich der Eröffnung der Renovabis-Pfingstaktion in Fulda zu Gast war. Unter der Leitung von Professor Dr. Vladimir Frühauf erklangen Kompositionen des Dirigenten, weiterhin von Kodaly, Michna, Busto , Badings und Schubert.
Der Polizeichor Fulda zeigte sich in großer Besetzung unter der Leitung seines Dirigenten Wolfgang Heil und mit dem Bariton-Solisten Gregor Nüdling dem hohen Konzertniveau durchaus gewachsen und sang neben romantischer deutscher Männerchor-Literatur Werke von Palestrina, Pracht, Schubert, Sorg sowie ein von Quirin Rische arrangiertes russisches „Amin“.
Krönender Abschluss des Konzertes wurde der gemeinsame Auftritt aller drei Chöre: Jeweils unter der Leitung eines der drei beteiligten Dirigenten erklangen Werke von Smetana, Mozart und die von Wolfgang Heil dirigierte „Ode an die Freude“, der Schlusschor aus der 9. Sinfonie von Beethoven. Der große Applaus des fachkundigen Publikums im vollbesetzten Leitmeritzer Dom zeigte, dass die Gäste aus Fulda, die dem Konzert einen - auch vom Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller besonders gewürdigten - völkerverbindenden Charakter gegeben hatten, gerade diesem Anliegen in besonderer Weise gerecht geworden waren.
Die durch die jüngste Geschichte zwischen Deutschen und Tschechen geschlagenen Wunden standen an diesem Abend nicht mehr im Mittelpunkt, sondern die aus der Vergangenheit gezogene Lehre, dass nur ein beiderseits getragenes partnerschaftliches Verhältnis eine friedliche Zukunft ermöglichen kann.




Reisebericht 2
07.10.05 - Litomerice - Die Stadt Fulda ist mit der tschechischen Stadt Litomerice (Leitmeritz) verschwistert. Und nun gab es einen guten Grund, in die Partnerstadt zu fahren. Welcher das war und was die Fuldaer dort erlebten, beschreibt im folgenden Alois Hofmann. Der Künzeller gehört dem "Freundeskreis Fulda - Leitmeritz/Litomerice e.V." an und für "osthessen-news" freundlicherweise einen persönlichen Reisebericht geschrieben. Auch seine Fotos geben einen guten Eindruck von den Erlebnissen in der Partnerstadt wieder. Heute bringen wir hier den zweiten Teil des Reiseberichtes von Alois Hofmann.
"Die Konzertreise des Polizeichores Fulda, bei der auch die Hauptstadt Prag und das deutsche Elbflorenz Dresden besucht wurden, führte im Beiprogarmm auch zu weiteren partnerschaftlichen Begegnungen in der Bischofsstadt an der böhmischen Elbe. Mittels Unterstützung durch den Städtepartnerschaftsverein „Freundeskreis Fulda-Leitmeritz“ konnte auch ein Empfang beim Leitmeritzer Altbischof Dr. Josef Koukl arrangiert werden.
Bischof Koukl, seit dem Wendejahr 1989 Inhaber des wegen der kommunistischen Kirchenverfolgung verwaisten Bischofssitzes in Leitmeritz, ist in Fulda kein Unbekannter: Gerade seinen Initiativen ist es mit zu verdanken, dass es auf der Grundlage der Vertreibungsereignisse, die nach Kriegsende fast 3.000 ehemalige Leitmeritzer nach Osthessen geführt hatten, im Jahre 2001 zu einer wegen der Vorgeschichte bemerkenswerten Städtepartnerschaft zwischen Fulda und Litomerice gekommen ist.
Hoch erfreut war Bischof Koukl, der wegen der derzeitigen Erkrankung seines Amtsnachfolgers trotz hohen Alters noch mit vielen offiziellen Aufgaben betraut ist, als die Sängerschar des Polizeichores Fuldas mit ihrem Anhang ihn am letzten Samstagnachmittag in seiner historischen barocken Residenz aufsuchte und ihn mit mehreren Chor-Ständchen beehrte. Die zahlreichen Fuldaer Besucher zeigten sich sehr beeindruckt von der Art, die sich von den deutschen Verhältnissen doch sehr unterscheidet, wie unter den auch nach der Wende sehr schwierigen Bedingungen für die tschechische Kirche die dortige - durch den Kommunismus - ausgedünnte „kleine Herde“ ihren Glauben lebt.
Umso überraschter waren die Gäste aus Fulda, als sie am folgenden Sonntagmorgen den Kathedralgottesdienst im Leitmeritzer Dom, den Bischof Koukl feierte, mit ihrem Gesang umrahmen konnten. Die Domkirche war voll besetzt, auffallend waren die vielen jungen tschechischen Familien mit kleinen Kindern. Mitzelebrant am Altar war das mitgereiste Ehrenmitglied des Polizeichores Fulda, Protonotar Dr. Lucian Lamza vom - mit der Kirche von Leitmeritz partnerschaftliche Beziehungen pflegenden - Bistum Fulda. Der Priester Lamza hatte auch beim Leitmeritzer Bistumsjubiläum vor 3 Monaten den Fuldaer Bischof Algermissen vertreten.
Messtexte in tschechisch und deutsch ließen auch den Gottesdienst zu einer weiteren großen partnerschaftlichen Begegnung werden. Als dann nach dem Gottesdienst die große Orgel des Domes mit der d-Dur Toccata von Johann Sebastian Bach – meisterhaft gespielt von Wolfgang Heil – erschallte und der Bariton Gregor Nüdling noch ein kleines Konzert mit geistlichen Arien sang, gratulierte der am Gottesdienst teilnehmende 2. Bürgermeister von Leitmeritz, Jiri Landa, spontan dem Fuldaer Chor.
Die Fuldaer Gäste konnten sich bei der, im Leitmeritzer Bistumsjubiläumjahr, im Dom präsentierten Ausstellung auch davon überzeugen, dass es mittlerweile auch enge Beziehungen zwischen den Diözesen Fulda und Leimeritz gibt. Sie verließen die kleine böhmische Bischofstadt in dem Bewusstsein, selbst einen großen Beitrag zur Intensivierung dieser Beziehungen geleistet zu haben."






Quelle: www.Osthessen-News.de vom 06.10.2005 und 07.10.2005